Mediengeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts (18)

Tontechnik/Radio


Alice im Wunderland


Die Entwicklung der Tontechnik im Kontext neuer akustischer Medien bis zum Radio
oder: der Beginn des Zeitalters der Massenkommunikation im Bereich der akustischen Wahrnehmungen

 

Der Schalltrichter: Vom technischen Gerät zum Markenzeichen

Bis 1925 akustisch-mechanisch - Nachteile: Tonverzerrungen

Der technische Durchbruch: Vom Schalltrichter zum Mikrofon

1925 Bell Telephone Laboratories, USA: Umwandlung der Schallschwingungen in elektrischen Strom; Verstärkung durch elektrische Verstärkerröhre.

Damit wird der Trichter für Aufnahme und Wiedergabe obsolet - er dient fortan nur noch als Logo („His master’s voice"):
  

Ein Beispiel dafür, wie eine künstlerische Idee zum Logo für weltweites Marketing - und das Logo schließlich zum Signum für eine Kulturtechnik und für eine kulturelle Epoche wird.
 

Radio

Technische Basis:

Drahtlose Telegraphie seit 1895 (Guglielmo Marconi und Stepanowitsch Popow)

Entscheidende Qualitätsverbesserung der Übertragung von Tönen durch Lee de Forest (USA):

Elektronenröhre "Audion" (1906); ab 1907 in praktischer Erprobung

Die drahtlose Übertragung von Tönen entwickelt sich zum Sprechfunk.

24.12.1906: die "erste Radiosendung" (Übertragung von Sprache und Musik), realisiert von Reginald Aubrey Fessenden (Kanada)

1909: die erste Talk- (Rundfunk-)Sendung der Welt.

1910: Metropolitan Opera New York: die erste Opernübertragung im Rundfunk

2.11.1920: der erste kommerzielle Rundfunksender in Pittsburgh, USA (KDKA)

Nach dem Ersten Weltkrieg: Radio-Amateuerbewegungen, Radio-Bastlerclubs in mehreren Industrieländern
 

England:
die ersten regelmäßigen Rundfunksendungen ab 1919.

1922: Gründung der "British Broadcasting Company (BBC)", seit 1927 öffentlich-rechtliche Körperschaft.

Deutschland:

Hans Bredow
seit 1919 Ministerialdirektor im Reichspostministerium
Vortrag über "Funkentelegraphie und Presse": Rundfunkempfang für jedermann

Ab März 1920: Hauptfunkstelle Königs Wusterhausen

Technik:
Vom Detektor-Empfänger (mit Kopfhörern) zum Röhrenempfänger (mit Lautsprechern)
(in Deutschland erstmals auf der Berliner Funkausstellung 1924)
 
 

Radio Amato 1925Detektorgeräte, um 1925
   
 

Frühe Programmgeschichte:

Ab 1.  September 1922: "Wirtschaftsrundspruchdienst":
(erster regelmäßiger und gebührenpflichtiger Rundfunkdienst)

29.  Oktober 1923: Start des deutschen Rundfunkwesens unter der Kontrolle des Reichstelegraphenamtes

2. Transmitter  Sendestation im Vox-Haus, Berlin

Der "Unterhaltungs-Rundfunk" verbreitet regelmäßig Rundfunksendungen mit Nachrichten und Unterhaltungsmusik.

1924: ca. 100 000 Hörer; 1926 ca. 1 Mio., 1934 über 5 Mio.

Die erste Rundfunkwerbung: 1922 New York.

Das erste Hörspiel: das Melodrama "The Wolf", 1922 New York.

Das erste deutsche Hörspiel:
die Funkgroteske "Zauberei auf dem Sender" von Hans Georg Flesch, 1924:
Die Gattung Hörspiel beginnt mit der Selbstreflexion des Mediums

Gegen das Einkanal-System Radio:

Bertolt Brechts Radiotheorie 1927 - 1932

„(...) ein Vorschlag zur Umfunktionierung des Rundfunks: Der Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk wäre der denkbar grossartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das heisst, er wäre es, wenn er es verstände, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn in Beziehung zu setzen.“

Bertolt Brecht: Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. In: B.B., Gesammelte Werke, Bd. 18, Frankfurt/M. 1967 (1. Aufl.), S. 127 ff.
 

1933: Der Volksempfänger im nationalsozialistischen Deutschland
 

                                            Mende 1937
 

Deutschland  1936


Eine Geschichte aus dem Exil:

Alfred Döblin, Märchen von der Technik, erstmals in: „Flucht und Sammlung des Judenvolks - Aufsätze und Erzählungen", Amsterdam 1935

Internet:

Kleine Kulturgeschichte des Radios in Deutschland

Eine private Homepage zur Radiogeschichte

Eine umfassende Website zur Geschichte des Radios
 

Das Radiomuseum Bad Laasphe

Das "Internationale Radiomuseum Hans Necker" in Bad Laasphe ist eine weltweit einzigartige Sammlung von historischen Radiogeräten, die einen umfassenden Überblick über die technische Geschichte und Entwicklung dieses Massenkommunikationsmediums vermittelt. Die Sammlung umfaßt insgesamt rund 3000 Geräte, von denen 1000 ständig ausgestellt werden.Hinzu kommen 350 besondere Exponate, die unter dem Titel "Radio Kurios" zusammengefaßt sind. Anhand zahlreicher Originalapparate läßt sich die Geschichte des Radios in den Wohnstuben seit 1918 sehr genau nachvollziehen. Dabei wird der technische Fundus ergänzt durch eine ebenso umfangreiche Sammlung von Literatur und
Serviceunterlagen.