Mediengeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts (17)

Tontechnik

 
Entwicklung der Tontechnik und der Audiomedien
zwischen 1900 und 1930
 

(1) Schallplattenindustrie
 

1895
Schallplatte als Massenprodukt (Emil Berliner).
 

BILD: Berliners Grammophon (Handkurbelbetrieb, Hartgummi-Schallplatten)
 

1904
Leipziger Frühjahrsmesse: die doppelseitig bespielbare Schallplatte
 
 
 

1913
Der erste tragbare Plattenspieler: der "Decca Portable"
(Barnett Samuel & Co., London)
 

Kriterien für die Vermarktung der neuen Technik:

- Weckung neuer Konsumentenbedürfnisse

- Befriedigung von Konsumentenerwartungen

- hier: das Hörerlebnis, Rezeptionsqualität, bezogen primär auf Musik

- „Nutzerfreundlichkeit": Handhabbarkeit der Technik

- Vielseitige Nutzbarkeit des neuen Mediums
 
 

Das Grammophon im 1. Weltkrieg
Vgl. Kurt Tucholsky, „Das Grammophon", 1916 (in: „Simplicissimus") (Gesammelte Werke bei Rowohlt, Bd. 1/S. 247 f.)
 
 

Entwicklung der Aufnahmetechnik: Tonqualität

Bis 1925 akustisch-mechanisch

Vom Schalltrichter zum Mikrofon:

1922 elektrische Aufnahmeversuche über Mikrofon und Verstärker
(Deutsche Grammophon Gesellschaft)

1925 Entwicklung des elektrischen Mikrofons
(Bell Telephone Laboratories, USA)

1925 die ersten brauchbaren elektrisch aufgenommenen Schallplatten auf dem Markt (USA und Deutschland)

Durchsetzung der Langspielplatte:

Thomas Alva Edison (im 19. Jh.: Phonographenwalze) 1926:
erste Langspielplatte mit einer Spielzeit von 20 Minuten je Plattenseite

- Große Rillendichte (16 Rillen auf 1 mm)

- widerstandsfähiges Material (Bakelit)

- Durchmesser von 30 cm und 80 U/min.

- Gewicht: zwischen 500 und 750 g, 6 mm dick.

- Schnelle Abnutzung der Rillen durch häufigen Gebrauch.
 

1931 die erste für die Öffentlichkeit bestimmte Langspielplatte
mit 33 1/3 Umdrehungen pro Minute, vorgestellt in New York.
 

Zum Verhältnis von Technik, Industrie und Medienkultur:

Techn. Weiterentwicklung verläuft im Bereich der Aufnahme- und Speicherverfahren...

die verbesserten Verfahrensweisen ermöglichen die Herstellung praktischerer Geräte...

gleichzeitig verbessert sich die technisch-ästhetische Qualität der Wiedergabe...

höhere Qualität und Nutzerfreundlichkeit ermöglichen umfassende Vermarktung...

erst die industrielle Vermarktung verwandelt die neuen Techniken in MEDIEN...

neue Massenbedürfnisse (das „Hörerlebnis") und ihre Befriedigung kreieren das soziale Phänomen der „Medienkultur"
 

Internet:
Kurze Einführung in die Geschichte der Schallplatte und des Grammophons
 

(2) Musikboxen

1905
erste Musikbox mit Münzeinwurf und Vorwahleinrichtung
in Michigan: "Multiphone" (auf dem Prinzip der Edison-Walze)

1906
erste Musikbox mit Vorwahleinrichtung und Schallplatten
anstelle der Musikwalzen: "Automatic Entertainer", Chicago

1927
USA: die ersten vollelektronisch betriebenen Musikboxen

ab 1934 Massenproduktion

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in den USA über 300 000 Musikautomaten.
 
 

(3) Übertragung von Tönen

Das Prinzip der drahtlosen Telegrafie (Marconi), angewandt auf  Sprache und Musik

1901
das erste Patent für die Übertragung der menschlichen Stimme durch Funkwellen: Reginald Aubrey Fessenden (Kanada)

1906
erste Funkübertragung von Sprache und Musik unter Verwendung eines Lichtbogensenders und einer Hochfrequenzmaschine:
"das erste Rundfunkprogramm der Welt" (USA)

1906
Nauen bei Berlin:
Großfunkstelle Nauen (100 m hoher Antennenmast)
Technische Reichweite (anfangs 3 600 km) wird bis zum Beginn des 1. Weltkriegs auf über 8000 km ausgedehnt

1913
Rückkopplungsschaltung: Beginn der modernen Sende- und Empfangstechnik (USA und Deutschland)
Alexander Meißners Röhrensender mit Rückkopplung
 

(4) Tonband

1928
Magnetisierbarer Draht wird ersetzt durch ein magnetisierbares Band als Tonträger für die magnetische Schallaufzeichnung

Das erste magnetische Tonaufzeichnungsgerät mit einem Stahlband:
E. Blattner 1928/1929

„Blattnerphone" verwendet von der BBC ab 1932.

Anfang 1933 richtete die BBC eine eigene Abteilung für Tonbandprogramme ein: Die technisch moderne Speicherung von Radioprogrammen beginnt.